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Die zehn gefährlichsten Berufe im Baugewerbe

Team Organisation & Ablauf
Team Organisation & Ablauf, 08.12.17 09:40

Wer glaubt, Stuntmen oder Artisten leben besonders gefährlich, irrt: Tatsächlich ist der Beruf des Gerüstbauers – statistisch gesehen – der mit Abstand gefährlichste der Welt. Das BAUBÜRO nennt die „Top 10“ unter den Bauhandwerkern, die bei ihrer täglichen Arbeit ganz besonders auf sich achtgeben sollten – und die größten Gefahren, die auf der Baustelle lauern.

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              • Weltweit sterben jährlich Tausende Handwerker bei Arbeitsunfällen. Alleine in Deutschland starben in diesem Jahr 223 Menschen durch Arbeitsunfälle.
              • Welche Gewerke haben das höchste Unfallrisiko?
              • Die häufigsten Unfallarten und ihre Ursachen
              • So sichern Sie sich und Ihre Mitarbeiter optimal ab

Ob Rockefeller Center, Empire State Building oder World Trade Center – für die gefährlichsten Jobs in schwindelerregender Höhe waren seit jeher unerschrockene Arbeiter gefragt, vor allem amerikanische Ureinwohner vom Stamme der Mohawk. Die Mohawk haben den Ruf, „von Geburt an schwindelfrei“ zu sein. Tatsächlich, so stellte einer ihrer Stammeshäuptlinge erst kürzlich klar, trieb sie lediglich die Angst, während der allgegenwärtigen Weltwirtschaftskrise ins soziale Elend abzustürzen. Daher nutzten die Mohawk schon zu Beginn der Skyscraper-Ära all ihren Mut und ihr Geschick, um in atemberaubender Höhe Stahlträger zu vernieten und sich dabei mit scheinbarer Leichtigkeit heiße Eisen, spitze Werkzeuge und aufmunternde Sprüche zuzuwerfen.

Bis heute sind Mohawk-Indianer in den USA für besondere Einsätze auf dem Bau sehr begehrt und werden in eigenen Trainingszentren speziell dafür geschult. Arbeitssicherheit inklusive. Denn niemand weiß so gut wie die Mohawk-Indianer wie gefährlich der Job auf dem Bau wirklich sein kann.

Top 10: Die gefährlichsten Jobs im Baugewerbe 

Schon ein Sturz aus wenigen Metern Höhe kann tödlich enden. Doch es gibt auch andere Unfallgefahren, die auf der Baustelle lauern. Hier die „Top 10“ der gefährlichsten Berufe im Bauhandwerk: 

  1. Gerüstbauer
  2. Dachdecker
  3. Pflasterer
  4. Estrichleger
  5. Fliesenleger
  6. Zimmerer
  7. Maurer
  8. Stukkateure, Verputzer
  9. Isolierer
  10. Sonstige (zum Beispiel Bauhilfsarbeiter)

Nach einer Studie des Instituts für Demographie an der Universität Wien gehören die genannten Gewerke zu den gefährlichsten Berufen überhaupt. Allenfalls Sprengmeister oder Bergleute spielen bei den  Jobs mit gewissem Nervenkitzel ebenfalls eine besondere Rolle.

Auch Statistiken der Versicherungen belegen das hohe Risiko

Zwar ist die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle im Baugewerbe laut Spitzenverband der deutschen Unfallversicherer leicht gesunken – von 86 im Jahr 2015 auf 73 im Jahr 2016. Dennoch kommt es in keinem anderen Wirtschaftszweig derart häufig zu Unfällen, oft mit schwerwiegenden Folgen: Die Quote liegt bei 55 Arbeitsunfällen pro tausend Vollbeschäftigte. Zuletzt wurden 104.820 Unfälle innerhalb eines Jahres auf dem Bau gemeldet. Das sind statistisch gesehen fast 300 pro Tag – alle fünf Minuten einer.

 

Patsch – so schützen Sie sich vor der Absturzgefahr

Die meisten Verletzungen ziehen sich Bauhandwerker bei Stürzen zu: Abstürze machen allein 40 Prozent aller Arbeitsunfälle auf dem Bau aus. Innerhalb von zehn Jahren stürzten 92.500 Bauarbeiter in die Tiefe, 341 davon starben. Allein im Jahr 2016 zählte die Berufsgenossenschaft Bau (BG BAU) über 8.000 Absturzunfälle mit 29 Todesopfern. Dabei ließe sich diese traurige Bilanz vermeiden. Zum Beispiel so:

  • Achten Sie stets darauf, dass auf Ihrer Baustelle Bereiche wie Gruben, defekte Treppen, Bodenöffnungen oder Lichtkuppeln gut sichtbar gekennzeichnet und abgesperrt sind.
  • Arbeiten Sie niemals ungesichert an Absturzkanten. Fehlen an einer Stelle Absturzsicherungen, sollte die Bauleitung umgehend darüber informiert und eine Sicherung angebracht werden.
  • Achtung Leitern: Oft stehen sie auf unebenem Grund, können dadurch leicht ins Wanken geraten. Wacklige Leitern gehören zu den häufigsten Unfallursachen. 
  • Nutzen Sie bei Arbeiten in der Höhe geeignete Absperrungen, Abdeckungen, Arbeitsgerüste, Schutznetze und Hebebühnen. Gerüste sollten immer vollständig angebracht sein. Fehlende Teile sofort ersetzen und Leitergänge geschlossen halten.
  • Tragen Sie geeignete Schutzausrüstung (Helme, Gurte) und führen Sie Arbeiten in großer Höhe nach Möglichkeit gesichert im Team durch. Vergessen Sie nicht, bei Ihrem Helm auch immer den Kinngurt anzulegen. Unverhoffte „Kinnhaken“ beim Stolpern bleiben lange in Erinnerung!
  • Und noch einen Hinweis hält die BG BAU für ihre Mitglieder bereit: Unterschätzen Sie nicht die Absturzgefahr aus niedriger Höhe. Denn viele Stürze erfolgen aus Arbeitshöhen von weniger als fünf Metern.

Ratsch – das können Sie gegen Verletzungen mit Geräten tun

An zweiter Stelle der Gefahren auf dem Bau stehen Unfälle mit Maschinen, allen voran: elektrische Handsägen, Trenn- und Schleifgeräte. Die BG BAU warnt: „Im Umgang mit Maschinen kommt es immer wieder zu Schnitt-, Stich- und Risswunden – oder gar zum Verlust einzelner Gliedmaßen. Umherfliegende Splitter sind zudem eine ernstzunehmende Gefahr für die Augen.“  Dabei haben alle Maschinen spezielle Tücken: Vor allem handgeführte Trennschleifmaschinen, Hobelmaschinen oder Handkreissägen bergen „ein erhebliches Verletzungsrisiko“, so die BG BAU in einer aktuellen Warnschrift.

Hier die wichtigsten Regeln zum Umgang mit Maschinen: 

  • Betriebsanleitung lesen und sich danach richten.
  • Maschine stets sicher (mit beiden Händen) bedienen. „Cowboys“, die gern mit nur einer Hand „aus der Hüfte schießen“, können ihre zweite danach oft vergessen …
  • Vorgesehene Schutzvorkehrungen am Gerät anbringen.
  • Werkstücke sicher fixieren, damit ein unbeabsichtigtes Abrutschen oder Verkanten vermieden wird.
  • Maschine nach dem Arbeitsgang immer direkt ausschalten und abwarten, bis sie zur Ruhe gekommen ist.
  • Vor allem aber: stets persönliche Schutzausrüstung tragen, zum Beispiel Schutzbrille, Staubmaske und Gehörschutz.

Hust – so gefährlich sind Staub und Sonne

Nicht zu unterschätzen sind auch anscheinend unscheinbare Verletzungsrisiken wie zum Beispiel Staub oder dauerhafte Sonneneinstrahlung. „Vor allem Feinstaub kann in die Lunge geraten und dort schwere Schäden verursachen“, so die Warnung der BG BAU. Besonders gefährlich: krebserregender Quarz- und Asbeststaub sowie Holzstaub, der Nasenkrebs auslösen kann. Giftiger Staub, der zum Beispiel beim Schweißen auftritt. Er kann Blei, Cadmium und Mangan enthalten und dadurch die Leber oder die Milz schädigen.

Hier die drei „goldenen Tipps“ gegen gefährliche Staubbelastung:

  • Staub vermeiden!
    Lieber Granulate oder Fertigmassen verwenden, Staub bei Schleifarbeiten direkt absaugen, nach Möglichkeit nass oder feucht arbeiten.
  • Staub entfernen!
    Aufwirbelungen verhindern, Staub mit Wasser niederschlagen, Luftreiniger einsetzen, Arbeitsbereiche reinigen.
  • Staub fernhalten!
    Zur persönlichen Schutzausrüstung in Staubbereichen gehören ausreichender Atemschutz, zum Beispiel mit Partikelfilter P2 (oder eine partikelfiltrierende Halbmaske).

Last but not least: Nicht nur eingefleischte Sonnenanbeter treffen sich mitunter unfreiwillig beim Haut- oder Augenarzt wieder. Auch bei Arbeiten auf dem Bau wird das UV-Risiko leider oft unterschätzt. Hier gilt: Sonnenschutzcreme verwenden, UV-Brille für den gewerblichen Bereich tragen (DIN EN 166, 172), bei längerem Aufenthalt in der prallen Sonne Kopf und Körper bedecken.

Mohawk-Häuptling: „Nur Narren kennen keine Furcht!“

Noch einmal zurück zu den Mohawk-Indianern und deren jahrhundertealtes Wissen um die vielfältigen Gefahren auf der Baustelle. In einer Wanderausstellung, die seit einigen Jahren quer durch die USA tourt, berichten Angehörige des Stammes von ihren Erfahrungen auf den größten Baustellen des Landes – darunter nicht nur berühmte Wolkenkratzer, sondern auch legendäre Brücken wie etwa die George Washington Bridge, die Manhattan mit New Jersey verbindet und die seit ihrer Errichtung mithilfe der Mohawk im Jahr 1931 als meistbefahrene Brücke der Welt gilt.

Kyle Karonhiaktatie Beauvais, seines Zeichens Mohawk-Häuptling, Bauhandwerker und Kurator der Ausstellung, brachte in einem Interview mit der New York Times auf den Punkt, mit welcher Grundeinstellung er und seine Stammesbrüder seit jeher an die Arbeit gehen: „Ich möchte nicht mit einem Narren zusammenarbeiten, der sich nicht ein bisschen davor fürchtet, so hoch oben zu arbeiten. Es ist die Furcht, die dich vorsichtig macht, die dich wachhält. Ein Mohawk hat genauso viel Höhenangst wie jeder nächstbeste Typ. Der Unterschied ist vielleicht, dass ein Mohawk bereit ist, sich dieser Angst zu stellen und ihr klug zu begegnen“.

 

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