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Handwerk & Dieselgate: Investitionen in neue Transporter rechtzeitig planen und umsetzen


Team Geld & Liquidität
Team Geld & Liquidität, 29.01.18 10:36

Fahrverbote, Stilllegungen, Blaue Plakette: Das Ende von Diesel-Autos, die nicht mehr der Abgasnorm entsprechen, rückt immer näher. Höchste Zeit, über eine Modernisierung von Betriebs- und Nutzfahrzeugen im eigenen Unternehmen nachzudenken. Wichtig bei alledem: eine Strategie für den Fuhrpark und eine gegen Liquiditätsengpässe.

Dieselgate im Handwerk

                                • Das Kraftfahrtbundesamt hat damit begonnen, die ersten manipulierten Diesel-Fahrzeuge stillzulegen. Bis zu 780.000 weitere Stilllegungen könnten folgen.
                                • Umweltverbände ziehen vor Gericht, um Fahrverbote für Diesel-Pkw in Großstädten durchzusetzen. Auch die EU-Kommission droht mit Klage gegen die Feinstaubbelastung.
                                • Viele Handwerksbetriebe sind weiterhin auf Diesel-Fahrzeuge angewiesen und sehen die Entwicklung daher mit Sorge.
                                • Betriebe sind mit einer Bürgschaftsversicherung auf der sicheren Seite, um ihre Liquidität zu gewährleisten und bei Neu-Investitionen in den Fuhrpark gerüstet zu sein.

Was bedeutet der politische Streit um Diesel und Umwelt für Handwerker in der Praxis?

Kreishandwerker Arnd Krüger nimmt kein Blatt vor den Mund. Gegenüber dem „Solinger Tagblatt“ brachte er auf den Punkt, was viele seiner Kollegen derzeit denken: „Wir sind in allergrößter Sorge. Kommt das Dieselverbot, bedeutet das sofort, dass das Handwerk keinen Umsatz mehr macht. Ein ganzer Sektor würde wegfallen“. In Zeitungsinterviews, Branchenforen und sozialen Netzwerken teilen Handwerker aus dem ganzen Land und quer durch alle Gewerke die Sorgen des gelernten Glasbaumeisters: „Wie soll das gehen: Wir sollen alte Gebäude sanieren und möglichst rasch viele neue Wohnungen bauen, dürfen aber ab morgen vielleicht gar nicht mehr die Baustellen anfahren – nur weil Autoindustrie und Politik versagt haben“, so oder ähnlich lauten die Vorwürfe, die vor allem aus dem Baugewerbe heraus erhoben werden.

Dabei könnte es im sogenannten „Diesel-Gate“ viel schneller zu Fahrverboten kommen als gedacht: Denn während das gemeinsame Diesel-Forum aus Politik und Industrie bei der Suche nach praktikablen Lösungen für die millionenfach manipulierten Fahrzeuge nur schleppend vorankommt, könnten zuständige Gerichte schon morgen Fahrverbote für bestimmte Ballungsgebiete verhängen, da die Feinstaubbelastung vielerorts de facto zu hoch ist. Damit stünde in den betroffenen Metropolen tatsächlich mit einem Schlag auch einer der wichtigsten „Motoren der Wirtschaft“ weitgehend still – das Handwerk.

Allein in Wuppertal drohen Neufahrzeug-Investitionen von fast einer halben Milliarde Euro

Über die bisher für diesen „Notfall“ von Politikern vorgeschlagenen Lösungen können erfahrene Bauhandwerker wie Arnd Krüger derweil nur lachen. So sei auf einer „Mobilitätskonferenz“ in Wuppertal der Vorschlag gemacht worden, doch wie vor hundert Jahren wieder auf das gute alte Lasten-Fahrrad umzusteigen. „Damit kann der Installateur vielleicht ein Ventil transportieren, der Maler einen Eimer Farbe“, räumt Arnd Krüger im „Solinger Tagblatt“ ein. Aber: Sollen seine Gesellen etwa (mit dem neuen Fenster auf dem Rücken) im Bergischen Land die Hügel „raufzischen ´a la Tour de France“? „Es wird auch in Zukunft nicht möglich sein, Heizkessel mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn zu transportieren“, nennt der Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer,  gegenüber der „Welt“ ein anderes Beispiel.

Zahlen belegen zudem, wie groß der wirtschaftliche Einschnitt sein würde, wenn die gewerblich genutzten Dieselfahrzeuge in absehbarer Zeit durch umweltfreundlichere Modelle ersetzt werden müssten: Allein im Raum Wuppertal wären dafür Investitionen in Höhe von rund 450 Millionen Euro nötig, im benachbarten Solingen wären es immerhin noch 250 Millionen Euro. Das hat die Kreishandwerkerschaft in den beiden Städten errechnet.

Was können Handwerksbetriebe tun, um durch den Diesel-Skandal nicht selbst in die Krise zu rutschen?

Laut einer Umfrage der Handwerkskammer Düsseldorf wären von einem Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt 40 Prozent aller Handwerksbetriebe „ziemlich stark“ oder gar „existenziell“ bedroht. Denn rund 75.000 Betriebs- und Nutzfahrzeuge dürften in diesem Fall nicht mehr vom Umland in das Stadtgebiet fahren oder auch nur innerhalb der Stadtgrenzen bewegt werden.

Dabei seien mehr als die Hälfte der betroffenen Fahrzeuge noch keine vier Jahre zugelassen, betont ein Sprecher der Düsseldorfer Handwerkskammer. Es geht also in erster Linie darum, hohe Investitionen in Neuwagen aus jüngerer Zeit nun durch eine erneute Modernisierung des Fuhrparks zu ersetzen. Die von der Autoindustrie geplanten Software-Updates oder Tauschprämien seien zwar erste Schritte in die richtige Richtung, so der Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, Axel Fuhrmann, gegenüber der „Welt“. Doch das werde „nicht reichen“, um den Handwerksbetrieben den Druck zu nehmen, der nun auf ihnen lastet.

Fakt ist: Vor allem bei kleineren Unternehmen, die mit nur einem oder zwei Fahrzeugen unterwegs sind, ist der Anteil des Fuhrparks am Betriebsvermögen beträchtlich. Experten schließen daher drohende Insolvenzen als Folge der Diesel-Affäre für viele Handwerksbetriebe nicht länger aus. Denn wird ein derart beträchtlicher Teil des Betriebs plötzlich wertlos, kratzt das auch an der Bonität des Unternehmens.

Tatsächlich könnten Handwerker, die bisher auf Dieselfahrzeuge gesetzt haben, ihren Betrieb im Extremfall „an die Wand fahren“: Was, wenn die Hausbank plötzlich Zweifel an der Bonität hegt? Wenn zusätzliche Investitionen in Maschinen, Material oder Personal erforderlich werden? Oder wenn ein (Groß-)Kunde sich mit der Begleichung seiner Rechnung zu viel Zeit lässt? Meist sind es solche und ähnlich unerwartete Geschäftsereignisse, die im Zusammenspiel zu einer mangelnden Liquidität führen können – und dann eine Kettenreaktionen auslösen, die den betroffenen Betrieb durchaus in seiner Existenz bedroht. Ein stillgelegtes Fahrzeug oder ein Fahrverbot für die Baustelle gehören zweifellos dazu.

Wer bei alledem nicht „unter die Räder“ kommen will, sollte daher rechtzeitig vorsorgen und sich eine sorgfältige Strategie überlegen, um bei der Fuhrparkmodernisierung in keinen unnötigen Engpass zu geraten und – vor allem – mobil zu bleiben, um alle Aufträge auch künftig zuverlässig erfüllen zu können.

So können Sie Ihre Liquidität erhöhen, um auch in Zukunft mobil zu bleiben

Ob Kombi, Transporter oder Pkw – ob schadstoffoptimierter Diesel, Elektromobil oder doch Benziner: In jedem Fall stehen für die meisten Handwerksbetriebe in Deutschland kurz- bis mittelfristig höhere Investitionen in ihre Betriebs- und Nutzfahrzeuge an. Dabei könnten Kaufprämien oder – wie bei Elektromobilen – Ersparnisse bei der Kfz-Steuer zwar für Erleichterungen sorgen. Den Großteil der Mittel werden die Betriebe jedoch selbst aufbringen müssen.

Bei der Finanzplanung für Neuanschaffungen oder Leasingverträge muss es also darum gehen, rechtzeitig für die nötigen Mittel und eine ausreichende Bonität zu sorgen. Die wichtigsten Fragen, die sich Handwerkern dabei stellen, lauten:

  • Stehen mir bereits genügend Rücklagen für ein neues Fahrzeug zur Verfügung? 
  • Ließen sich die Anschaffungskosten zur Not über einen Hausbankkredit finanzieren? Zu welchen Konditionen?
  • An welcher Stelle kann ich im laufenden Betrieb Kosten sparen oder festliegende Mittel frei bekommen?

Tipp der Baubüro-Redaktion:

Sichern Sie Ihre anstehenden Aufträge gegen den üblichen Sicherheitseinbehalt ab, der von vielen Auftraggebern im Rahmen der Mängelhaftung gefordert wird. „Maßgeschneiderte“ Lösungen dafür bieten zum Beispiel Bürgschaftsversicherungen (auch als Kautionsversicherung bekannt).

Das Prinzip:

Anstelle einer Bankbürgschaft tritt die Versicherung für den Gewährleistungsfall als Bürge auf. Im Gegenzug verzichtet der Auftraggeber auf den Einbehalt einer Kaution, die sonst innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist bis zu fünf Jahre lang als „totes Kapital“ auf einem Treuhandkonto festliegt.

Bei mehreren Aufträgen können im Jahresverlauf auf diese Weise mehrere Tausend Euro freigeschlagen werden, die dann für dringende Neuinvestitionen – etwa in ein neues Betriebsfahrzeug – zur Verfügung stehen.

Eine solche Bürgschaftsversicherung ist in der Regel wesentlich kostengünstiger als eine Bankbürgschaft, die – im Gegensatz zur Versicherungslösung – meist variablen Zinssätzen unterliegt und zudem auf die Kreditlinie angerechnet wird.

Weitere Informationen zur Bürgschafts- und Kautionsversicherung finden Sie hier.

 

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