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Interview mit Jessica Jörges: Warum Bloggen Ihr Handwerk retten kann

Team Mitarbeiter & Kollegen
Team Mitarbeiter & Kollegen, 25.08.17 14:46

Ist das Handwerk bereit für eine bunte Zukunft? Und liegt diese im Internet? Jessica Jörges ist sich sicher. Die 1998 geborene Auszubildende fürs Maler- und Lackiererhandwerk bloggt seit vergangenem Jahr über ihre Ausbildung und alles, was sie bei ihrer Arbeit erlebt.

Jessica Jörges bloggt auf "Bunte Zukunft" über das Maler- und Lackiererhandwerk 

Seit August 2016 wird Jörges im familieneigenen Betrieb Maler Schmidt GmbH im hessischen Dreieich ausgebildet. Ihr Blog Bunte Zukunft erfreut sich seitdem hoher Beliebtheit. Jessica Jörges ist gefragter Interviewgast, wird von den Handwerksjunioren eingeladen und hält Vorträge an Schulen. Online kann man bei ihr einen Einblick in die Ausbildung und den Maler- und Lackiererberuf bekommen, mit all seinen Facetten. Wir haben mit ihr über das Bloggen gesprochen – und wie ihr Projekt Vorbild für die Azubi-Suche anderer Handwerksbetriebe sein kann. Wenn für Sie eine Online-Präsenz noch Neuland ist: Werfen Sie einen Blick in unsere Beiträge zum Thema: Einführung in Social Media und das Interview mit Digitalisierungs-Experte Jörg Mosler.

Jessica Jörges im Interview mit dem Baubüro Magazin


Du hast letztes Jahr die Schule abgeschlossen. Die Frage, wie es weitergeht, beschäftigt jedes Jahr unzählige Absolventen. Wie war dein Gedankengang?
Mein Abi habe ich im Juni 2016 gemacht, im August 2016 habe ich dann meine Lehre begonnen. Während meiner Abizeit hatte ich mir eigentlich vorgenommen, ein Studium zu beginnen. Ich hatte allerdings keine Ahnung, in welche Richtung es gehen soll. Ich habe einen Studienführer gewälzt und bei den zahlreichen Angeboten dreimal „vielleicht“ dahinter geschrieben. Das war es. Ich wusste irgendwie schnell: Das ist nicht das, was ich will. Ich wollte nicht schon wieder nur dasitzen und Theorie pauken, sondern lieber Theorie und Praxis verbinden.

Wieso hast du dich für eine Ausbildung entschieden?
Mit dem Abitur habe ich die Möglichkeit, eine Ausbildung in nur zwei Jahren abzuschließen, mit guten Leistungen in der Berufsschule sogar in nur anderthalb Jahren. Das war natürlich ein gewisser Anreiz.

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Wie fiel die Wahl auf den Beruf des Malers und Lackierers?
Ich bin in einer Handwerkerfamilie groß geworden. Mein Uropa hat unsere Firma gegründet, mein Opa hat sie weiter geführt und meine Eltern haben sie von ihm übernommen. Daher fiel im Endeffekt auch die Wahl auf die Ausbildung im Betrieb meiner Eltern. Basteln, malen, zeichnen – alles Kreative habe ich immer schon gemocht. Aus diesem Grund habe ich  auch kurz über eine Floristenlehre nachgedacht.

Nachdem ich mir verschiedene Betriebe näher angesehen habe, auch andere Malerwerkstätten, fiel dann die Entscheidung relativ schnell für unseren Betrieb. In der Nähe habe ich von den Ausbildungsmöglichkeiten her nichts Vergleichbares gefunden. Bei uns wurden schon einige Lehrlinge als „innungsbesten Lehrlinge“ ausgezeichnet, wir sind mit dem bundesweiten Ausbildungspreis ausgezeichnet und gehören zu den ausgezeichneten Ausbildungsbetrieben. Im Betrieb sind wir sind wir zu siebt, das ist nicht zu klein und nicht zu groß.

Was macht für dich einen guten Ausbildungsbetrieb aus?
Ich denke, die Kombination aus praktischem Arbeiten, einem guten Betriebsklima und der Art, wie man eingebunden wird, ist entscheidend. Bei mir hieß es: „Pinsel in die Hand und los!“ Ich wurde direkt ins Team eingegliedert, mir wurde direkt etwas zugetraut. Ich schätze aber, dass das auf das Mindset der Gesellen ankommt. Ein Azubi sollte einfach ernst genommen werden. Für den Betrieb ist es ja auch sinnvoll, Auszubildende direkt als Unterstützung anzusehen – je eher man etwas kann, desto schneller wird man zur Entlastung.

Die Bloggerin packt an: Jessica Jörges macht eine handwerkliche Ausbildung zur Malerin und Lackiererin(Jessica Jörges in Aktion. Seit einem Jahr bloggt sie über ihre Ausbildung.)

Wie kamst du auf die Idee, einen Blog über deine Ausbildung zu betreiben?
Ich muss gestehen, dass ich vor Beginn der Lehre ein wenig Angst vor Eintönigkeit und Langeweile hatte. Da kam mir die Idee. Inzwischen muss ich aber aufpassen, dass die Schule nicht zu kurz kommt, ich bin schon ganz gut eingespannt. Ich habe mich einfach gefragt, wieso nur noch so wenige Personen ins Handwerk wollen. Unsere Generation ist nur noch in den Sozialen Medien unterwegs. Warum kann man das nicht verknüpfen? Ich habe dann mit meiner Familie Ideen zusammengetragen, den Blog ein paar Wochen geplant und dann vor knapp einem Jahr online geschaltet.

Was sagt dein Arbeitgeber – in diesem Fall deine Eltern?
Der Betrieb und speziell meine Eltern haben das von Anfang an unterstützt. Wenn ich mal unmotiviert bin, einen neuen Beitrag fertigzustellen, werde ich von meiner Familie gepusht, das hilft ungemein. Man darf nicht vergessen, dass der Blog natürlich eine Win-Win-Situation für mich und den Betrieb darstellt. Die Kollegen unterstützen mich auch, obwohl sie sich am Anfang nicht vorstellen konnten, wie das Ganze funktioniert.

Würdest du dir wünschen, dass mehr Handwerksbetriebe so etwas unterstützen?
Ich habe da eine kleine Vision: reichweitenstarke und aussagekräftige Blogs für alle Gewerke. Es gibt doch überall so viel zu entdecken. Über Unterstützung aus anderen handwerklichen Berufen würde ich mich freuen.  Die Einblicke sind entscheidend. Es soll als Orientierungshilfe für junge Leute dienen, auch was die Berufsschule angeht. Ich berichte z.B. über die überbetrieblichen Lehrgänge oder auch über den praktischen Unterricht in der Berufsschule.

"Ich finde es ungemein wichtig, in Social Media präsent zu sein. Eben da, wo die Jugend auch ist."

Was sagen denn deine Kollegen in der Berufsschule?
In meiner Klasse gibt es einige, die es toll finden, was ich mache. Sie freuen sich, dass ich mit Begeisterung dabei bin und sehen den Sinn dahinter. Ein anderer Teil kann es überhaupt nicht nachvollziehen. Viele finden ihre Ausbildung bzw. ihren zukünftigen Beruf schlichtweg nicht interessant genug, als dass sie auch noch Werbung dafür machen wollen. Was natürlich schon ein schlechter Ansatz ist. Kritiker hat man aber immer, das ist okay so. Ich würde mich schon freuen, wenn ich durch den Blog einige Schulabgänger zu einer Ausbildung bewegen kann, die es vorher nicht getan hätten.

Dein Tipp für Betriebe, die dringend Azubis suchen? 
Ich finde es ungemein wichtig, in Social Media präsent zu sein. Eben da, wo die Jugend auch ist. Die schauen nämlich nicht mehr in die Tageszeitung, um Stellenangebote zu finden, sondern gehen online. Nur die wenigsten suchen in Zeitungen und wenn, dann sieht man überall Anzeigen mit dem gleichen Standardtext. Ich finde, wenn sich das Handwerk bewusstmacht, dass es mehr Stellen als Interessenten gibt, muss es sich auch überlegen, was es Lehrlingen bietet, etwas, was nicht jeder macht. Ich muss mich auch für den Betrieb entscheiden, nicht nur umgekehrt. Ich denke, man sollte das Besondere seines Unternehmens herausstellen.

Gibt es weitere Vorteile fürs Handwerk in den Sozialen Medien? 
Im Reich der Medien gibt es so viel zu entdecken. Man kann auf diese Art einen Austausch zwischen Firmen herstellen und so vielleicht neue Anregungen und Ideen gewinnen. Ich freue mich immer wenn ich sehe, was andere Malerkollegen auf die Beine stellen, wie sie ihre Azubis miteingliedern und welche grandiosen Arbeiten dort entstehen. Man sollte das Netz nicht als Konkurrenz sehen, sondern als Möglichkeit sich täglich weiter zu entwickeln.

Danke für das Gespräch!

Was macht eigentlich einen guten Ausbildungsbetrieb aus? Wir verraten es Ihnen in unserem Beitrag "9 Tipps für einen guten Ausbildungsbetrieb".

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