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Jörg Mosler: Wie das Handwerk junge Menschen begeistern kann, Teil 1

Team Mitarbeiter & Kollegen
Team Mitarbeiter & Kollegen, 20.07.17 14:52

Jörg Mosler, 36 Jahre, ist ein umtriebiger Mann. Nach einer Handwerkskarriere im elterlichen Dachdeckerbetrieb im Schnelldurchlauf hat er seine wahre Bestimmung außerhalb von Dachpfannen und Holzbalken gefunden. Jörg Mosler ist Bestsellerautor, Speaker und Seminarleiter. Dem Handwerk ist er trotzdem verbunden geblieben. „Meine persönliche Leidenschaft ist das Handwerk an sich jedoch nie geworden. Aber ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, die ihre Leidenschaft genau dort gefunden haben“, erzählt er.

Personal im Handwerk: Wie findet man junge Mitarbeiter - Jörg Mosler im Interview

Nach zehn Jahren als selbstständiger Dachdecker mit zeitweise 15 Mitarbeitern erklärt er heute ehemaligen Berufskollegen und Unternehmern aus anderen Gewerken, wie sie das Beste aus ihrem handwerklichen Betrieb machen können. Mit dem Baubüro Magazin hat Mosler über eine der großen Baustellen des Handwerks gesprochen: Wie begeistere ich junge Menschen für mein Unternehmen? Wie finde ich das richtige Personal? Sein Motto dabei: „Mehr Emotion wagen. Der größte Anziehungsfaktor ist immer die Persönlichkeit. Wir entscheiden uns für Personen, selten für Unternehmen.“


Interview mit Jörg Mosler - Teil 1

 

Herr Mosler, war während Ihrer aktiven Zeit die Anziehungskraft des Handwerks größer als heute?
Früher wurde man als Unternehmen angefleht, junge Leute auszubilden. Heute ist das nicht mehr so. Das Handwerk hat heutzutage beispielsweisen starke Chancen, durch die Digitalisierung wieder mehr junge Leute anzuziehen, wieder sexy zu sein. Menschen werden auf lange Sicht nicht von einem einfachen Tausch von Zeit gegen Geld überzeugt. Für eine gute Strahlkraft eines Berufes muss der Kern, das Besondere herausgearbeitet werden.

Personalsuche: Recruiting im Handwerk - Interview mit Jörg Mosler(Jörg Mosler bei einem Vortrag)

Was sind die wichtigsten Gründe dafür, dass junge Menschen wenig Interesse an handwerklichen Berufen haben?
Das ist ein generelles, hausgemachtes Problem. Wissen Sie, viele Handwerksunternehmen nutzen ihre Chancen nicht. Es mag einige gute Ideen geben, aber diese erreichen die Jüngeren selten – etwa weil zu wenig Social Media im Spiel ist. Auf der anderen Seite trägt auch die gesellschaftliche Entwicklung zu diesem Trend bei. Es ist ja fast anrüchig, nicht zu studieren. Es ist schwierig, sich gegen ein gesellschaftlich anerkanntes Verhalten und somit gegen die Gruppe zu stellen. Was deshalb sehr wichtig ist: Unternehmen müssen jungen Leuten meiner Meinung nach unbedingt eine andere starke Gruppe bieten. Nämlich das eigene Unternehmen. Ich denke, wir sollten bei uns selbst anfangen, uns quasi am eigenen Schopf aus der Sache herausziehen, und nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen. Gerade im Handwerk wurde in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig Wert auf den Menschen hinter dem Werkstück gelegt – unsere Strategien waren hauptsächlich auf das Produkt ausgerichtet. Das müssen wir ändern.

Jugendlichen steht heutzutage bei der Berufswahl die ganze Welt offen. Ist das nur Risiko oder auch Chance für das Handwerk?
Ich sehe in allen Dingen eine Chance. Stellen Sie sich einen Judoka vor: Er nutzt die Energie des Angriffs seines Gegners für die Verteidigung. Wir haben im handwerklichen Bereich in etwa 130 verschiedene Berufe. Das sind riesige Möglichkeiten. Es gibt einige Kampagnen für junge Leute, allgemein über „das Handwerk“ oder von einzelnen Gewerken. Inhaltlich zum Teil sehr gut, doch da muss mehr über die Unternehmen gehen. Der Azubi sagt aber später schließlich nicht „Ich arbeite als Handwerker“, wenn er nach seiner Profession gefragt wird. Er erzählt eher: „Ich arbeite beim Dachdecker Meier.“ Das muss über die Unternehmen gehen.

Weiter geht es im zweiten Teil des Interviews!

Praxisratgeber für Handwerker: Mehr Liquidität für Ihr Tagesgeschäft

Hier nochmal Jörg Mosler’s Aussagen im Überblick:

  •  Arbeiten Sie das Besondere an ihrem Unternehmen heraus – jeder Betrieb ist einzigartig

  • Ein Unternehmen kann Zugehörigkeit vermitteln – zeigen Sie sich als starke Gruppe, bei der es sich lohnt, dazu zu gehören

  • Menschen entscheiden sich für andere Menschen – nicht für Unternehmen

  • Ein einzelner Betrieb ist einzigartig – das ist Ihre Chance

 

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