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Nord-Süd-Gefälle im deutschen Baugewerbe: Wo lohnt sich das Handwerk?

Team Geld & Liquidität
Team Geld & Liquidität, 14.12.17 15:14

Bis zu 35 Prozent beträgt der Unterschied zwischen den Baukosten in den nördlichen und den südlichen Bundesländern. Doch: Ist das Handwerk in München wirklich „goldener“ als in Magdeburg? Das BAUBÜRO hat die Fakten.

Zwischen Nord- und Süddeutschland klafft die Schere bei den Baupreisen immer weiter auseinander

                  • Zwischen Nord- und Süddeutschland klafft die Schere bei den Baupreisen immer weiter auseinander.
                  • Auch bei Betriebs- und Personalkosten gibt es große Unterschiede
                  • In strukturschwachen Gebieten steigt die Auftragslage erfreulich an
                  • Lohnt ein Blick auf „Gewerbesteuer-Oasen“?

Glaubt man Umfragen, dann sind die Auftragsbücher der meisten deutschen Handwerksbetriebe gut gefüllt. Ob in Flensburg, Garmisch, Köln oder Dresden – vor allem das Baugewerbe brummt: Mit geschätzt 112 Milliarden Euro wird 2017 das wohl umsatzstärkste innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte.

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Im Jahresdurchschnitt haben die Aufträge in der Baubranche um rund fünf Prozent zugelegt. Ende September waren die Auftragsbücher quer durch alle Bausparten sogar um 13 Prozent dichter gefüllt als im Vergleich zum Vorjahresmonat. Am deutlichsten stiegen die Auftragsraten beim Bau von Mehrfamilienhäusern, die inzwischen rund 60 Prozent aller Neubauten ausmachen.

Vor allem in Ballungsräumen und Universitätsstädten boomt der Bau neuer Wohnquartiere. Hier wird auch der größte Umsatzzuwachs erwartet: ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Jahr 2016. Im öffentlichen Bausektor sind es rund fünf Prozent Umsatzplus, im Gewerbebau immerhin noch mehr als drei Prozent.

Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe legte 2017 deutlich zu

Auch die weiteren Eckdaten für die Bauwirtschaft können sich sehen lassen: zehntausend Beschäftigte mehr als 2016. Und im Vergleich zum Krisenjahr 2009 stieg die Zahl der im Baubereich Erwerbstätigen sogar um 75.000. Derzeit arbeiten nahezu 800 000 Menschen im deutschen Bauhauptgewerbe –Tendenz weiter steigend.

Zugleich ist der Bedarf vor allem an Wohnraum enorm – was vor allem auf steigende Geburtenraten, Zuwanderung und Landflucht zurückzuführen ist. Manche Beobachter der Bauwirtschaft sehen gar Tendenzen wie in den für die Branche umsatzstarken 1990er Jahren als nach der Wiedervereinigung weniger Sichel, dafür aber deutlich mehr Hammer gefragt war.

München top, Magdeburg flop: Die Neubaupreise im Vergleich

Auch die Baupreise haben in ganz Deutschland deutlich angezogen – im Durchschnitt um drei Prozent. Doch so erfreulich der allgemeine Trend bei Auftragslage, Beschäftigung und Preisentwicklung auch sein mag – ein Wermutstropfen trübt die rosa Wolken am deutschen Handwerkerhimmel: Wohl nie zuvor differierten die Baupreise zwischen den einzelnen Bundesländern so stark wie derzeit. Bis zu 700 Euro pro Quadratmeter beträgt etwa der Unterschied bei den Bauwerkskosten für Neubauten zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern. Nur das „Nordlicht“ Hamburg kann bei den Preisen aus Süddeutschland noch einigermaßen mithalten.

Das Statistische Bundesamt hat für den letzten Erhebungszeitraum 2016 folgende Neubaupreise je Quadratmeter in allen 16 deutschen Bundesländern ermittelt:

Neubaupreise je Quadratmeter in den 16 Bundesländern

Bundesland                        Neubaupreis je Quadratmeter
Bayern   1.949 Euro/m²
Hamburg 1.914 Euro/m²
Baden-Württemberg 1.769 Euro/m²
Saarland 1.695 Euro/m²
Rheinland-Pfalz 1.665 Euro/m²
Hessen 1.595 Euro/m²
Schleswig-Holstein 1.503 Euro/m²
Nordrhein-Westfalen 1.480 Euro/m²
Sachsen 1.456 Euro/m²
Thüringen 1.443 Euro/m²
Berlin 1.405 Euro/m²
Brandenburg 1.389 Euro/m²
Mecklenburg 1.356 Euro/m²
Niedersachsen 1.343 Euro/m²
Bremen 1.328 Euro/m²
Sachsen-Anhalt 1.231 Euro/m²

 

Angesichts dieser Zahlen möchte man meinen, dass das Handwerk im Süden Deutschlands besonders goldenen Boden hat. Doch die Entwicklung der Baupreise ist nur die eine Seite der Medaille, wenn es um die Gewinnoptimierung gehen soll. Ein wesentlicher Faktor ist auch die kontinuierliche Auslastung: Handwerker, die – mit moderaten Preisen – das ganze Jahr über gut im Geschäft sind, stehen am Ende womöglich besser da als Betriebe, die ihre Zeit häufig mit vergeblicher Angebotserstellung und intensiver Akquise verbringen, um an lukrative Aufträge zu gelangen.

Niedrige Baupreise füllen schnell die Auftragsbücher

Hohe Baupreise sind jedenfalls noch lange kein Indiz dafür, dass im jeweiligen Bundesland auch genügend gebaut wird. Im Gegenteil: Die Zuwachsraten bei der Bauintensität waren zuletzt vor allem in solchen Bundesländern besonders hoch, in denen Handwerker ihre Leistungen eher günstig anbieten. Allein in Berlin stieg die Zahl der Baufertigstellungen zwischen 2010 und 2015 um fast 150 Prozent. In Sachsen-Anhalt wurde Ende 2015 mehr als doppelt so viel gebaut wie fünf Jahre zuvor. Auch Hamburg, Bremen, Niedersachsen  sowie Sachsen und das Saarland legten bei der Bautätigkeit kräftig zu. Schlusslicht bei der Baulust ist Nordrhein-Westfalen mit gerade einmal 21 Prozent Zuwachs.

Welche Gewerke konnten ihr Preisniveau steigern?

Große Unterschiede gibt es auch bei der Preisentwicklung der einzelnen Gewerke: Installationen von Gas- und Wasseranlagen verteuerten sich etwa im Durchschnitt um 3,2 Prozent – und damit doppelt so stark wie die meisten Rohbauarbeiten. Auch Heizung- und Warmwasserinstallateure können sich über ein gestiegenes Preisniveau freuen (+2,7 Prozent), ebenso Tischler (+2,2 Prozent) und Instandhaltungsbetriebe (+2,5 Prozent).

Dagegen blieben die Preise bei Betonarbeiten (+1,5 Prozent), Maurerjobs (+1,2 Prozent), Dachdecker und Zimmerer (jeweils +1,6 Prozent) nahezu unverändert.

Glaubt man der Statistik, steht ein Installateur für Gas und Wasser in München, Hamburg oder Stuttgart folglich deutlich besser da als ein Betonleger in Magdeburg – auch, wenn der übers Jahr gesehen vielleicht mehr zu tun hat. Lohnt sich also der Wechsel in ein anderes Bundesland?

Personalkosten drücken in Hochpreiszonen auf die Bilanz

Welche Rolle spielt der Standort eines Betriebs bei den laufenden Kosten? Diese Frage sollte sich jeder Handwerksmeister stellen, bevor er die Koffer packt, um nach Bayern, Hamburg oder Baden-Württemberg umzusiedeln.

Ein wichtiger Faktor bei den Betriebskosten ist der Aufwand für das eigene Personal. Auch hierbei gibt es große regionale Unterschiede. Grundsätzlich gilt: Wo die Baupreise hoch hängen, liegen die Löhne für gut ausgebildete Mitarbeiter ebenfalls höher als in „Billiglohn“-Regionen.

Allerdings ist bei der Lohnentwicklung weniger ein Nord-Süd-Gefälle auszumachen. Vielmehr leiden auch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall vor allem Beschäftigte in den neuen Bundesländern noch immer unter geringeren Löhnen als ihre Kollegen im Westen Deutschlands. Die höchsten Löhne werden derzeit in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern gezahlt – die niedrigsten in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen.*

Welche Rolle spielen Betriebskosten und Gewerbesteuer?

Auch die allgemeinen Betriebskosten wie Werkstattmiete oder Gewerbesteuer spielen eine Rolle, wenn es um die Wahl des optimalen Standorts geht.

Bei den Werkstattkosten gilt: In strukturschwachen Gegenden fallen die Miet- oder Baukosten für die eigenen Betriebsräume meist deutlich geringer aus als in den ausgewiesenen Hochpreisregionen. Die höchsten Großstadtmieten für Büros und Hallen werden in Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf verlangt – die günstigsten Betriebsräume finden sich in Dresden und Leipzig. Wer seine Werkstatt auf dem Land aufschlägt, spart oft zusätzliche Kosten bei Miete oder Kauf einer Gewerbeimmobilie.

Ähnlich sieht es bei der Gewerbesteuer aus. Der sogenannte Gewerbesteuerhebesatz ist in den meisten östlichen Bundesländern niedriger als im Westen: Gerade einmal 100 Prozent Hebesatz legen die Gemeinden Brunow (Brandenburg), Baumgarten (Mecklenburg-Vorpommern) und Sorge (Sachsen-Anhalt) bei der Berechnung der Gewerbesteuer zugrunde. Dem gegenüber werden Betriebe in Sindelfingen (Baden-Württemberg) oder Velbert (Nordrhein-Westfalen) mit 380 beziehungsweise 395 Prozent Gewerbesteuersatz zur Kasse gebeten.

Das 38-Seelen-Dorf Norderfriedrichskoog in Schleswig-Holstein erhob dagegen lange Zeit keinen einzigen Cent Gewerbesteuer von den zuletzt rund 500 dort „offiziell“ ansässigen Firmen, darunter viele bekannte Großkonzerne. Bis das Bundesfinanzministerium die deutsche „Steueroase“ vor einigen Jahren per Dekret austrocknete. Doch ein Umzug in das einst bei vielen Unternehmen so beliebte Fischerdörfchen an der Nordseeküste hätte sich ohnehin nicht gelohnt. Es sei denn, man wäre – statt auf den Bau und Ausbau von Gebäuden – auf die Instandsetzung von Briefkästen spezialisiert.

*) Quelle: www.gehalt.de

 

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