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Investitionen: So optimieren Sie Ihre Bonität für den Firmenkredit bei Ihrer Bank


Team Geld & Liquidität
Team Geld & Liquidität, 05.02.18 11:54

Noch sind die Zinsen niedrig, der Zeitpunkt für Investitionen mithilfe eines Bankdarlehens könnte daher nicht besser sein. Wenn nur die Bonitätsprüfung nicht wäre! Spätestens seit der letzten sogenannten „Basel“-Konferenz gelten dafür strengere Kriterien. Das BAUBÜRO verrät, wie Handwerker dennoch zu ihrem Wunschkredit kommen.

So optimieren Handwerker Ihre Bonität

                                    • Die internationale Bankenaufsicht hat die Anforderungen für die Kreditvergabe von Banken erneut verschärft.
                                    • Die Hausbank prüft künftig die Bonität ihrer Firmenkunden noch strenger als bisher.
                                    • Handwerker sollten sich für einen Termin bei ihrem Kreditberater gründlich vorbereiten.
                                    • Bürgschaftsversicherungen verbessern die Bonität.

Warum ist es schwieriger geworden, einen Bankkredit zu erhalten?


Neue Geräte, ein neuer Firmenwagen oder eine neue Ausstattung für Werkstatt und Büro: Bei Zinssätzen zwischen etwa einem und vier Prozent (je nach Geldinstitut) erscheint die Finanzierung größerer Investitionen durch die Hausbank derzeit besonders lohnenswert. Allerdings sitzt auch bei den Banken das Geld längst nicht mehr so locker wie vor der globalen Finanzkrise von 2008/2009, die bis heute ihre Nachwehen zeitigt.

Regelmäßig kommen internationale Bankenaufseher in Basel zusammen, um über Maßnahmen zum Schutz des Geldmarktes zu beraten. Die Beschlüsse der „Basel“-Konferenz müssen dann jeweils nach einem festen Zeitplan von den Banken der insgesamt 27 in dem Gremium vertretenen Mitgliedsländer umgesetzt werden. 

Die dritte große Konferenz dieser Art („Basel III“) im Jahr 2010 ließ bereits ahnen, dass die ganz große Geldpolitik irgendwann auch Auswirkungen auf den Mittelstand und das Handwerk haben würde. Im Herbst 2017 war es dafür schließlich soweit. Da die Richtlinien einer neuen Reform gleichkommen, haben Insider diese Konferenzrunde „Basel IV“ getauft. Die wichtigsten Auswirkungen:

  • Künftig müssen die Banken ein Drittel mehr Eigenkapital als bisher vorhalten und dürfen sich nicht mehr unbegrenzt selbst verschulden. Um diese und andere Vorgaben des Basler Gremiums zu erfüllen, verlagern die Banken die Risiken bei der Kreditvergabe nun noch stärker auf die Kreditnehmer. 
  • Dabei geht es in erster Linie um das Kerngeschäft der meisten Banken: die Unternehmensfinanzierung. Betroffen sind nicht nur Firmenkredite für Gründungen oder Nachfolgen, die bei Bankern ohnehin als risikobehaftet gelten, sondern vor allem Investitionskredite für kleinere Betriebe und Selbstständige.

Die „Arbeitsgemeinschaft Mittelstand“ warnt davor, dass nun auch für risikoarme Darlehen dieselben Vergaberichtlinien gelten sollen wie für Kredite, bei denen die Banken gewisse Risiken eingehen – etwa aufgrund mangelnder Sicherheiten, fehlenden Eigenkapitals oder einer schlechten Bonität des Kreditnehmers. Fazit der AG Mittelstand, der nahezu alle großen Berufs- und Branchenverbände der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland angehören: „Die Beschlüsse gehen in die falsche Richtung.“ Ändern lassen sie sich allerdings kaum. Durch die neuen Standards wird es daher künftig für mittelständische Betriebe und Selbstständige auf jeden Fall deutlich schwieriger, Kredite zu erhalten.

Was hat sich durch „Basel IV“ bei der Bonitätsprüfung geändert?


Vor jeder Kreditvergabe ermittelt die Bank ein individuelles Rating für den Kreditnehmer, aus dem sich die Bonität und letztlich die Risiken und Kosten eines Kredits ableiten lassen. Dabei gewichten die Banken die in das Rating einfließenden Faktoren unterschiedlich. Welche Kriterien also im Einzelfall bei der Kreditvergabe eine Rolle spielen, bleibt das Geheimnis einer jeden Bank, das – wie Insider spöttisch behaupten – oft besser gehütet wird als der Tresorraum.

Dennoch gelten die neuen Rahmenbedingungen für alle Banken gleichermaßen. Am Ratingsystem selbst ändert sich also durch „Basel IV“ erst einmal wenig, wohl aber an der Höhe und Laufzeit eines Kredits, den erforderlichen Sicherheiten, dem zur Verfügung stehenden Eigenkapital – und vor allem an der Höhe der Zinsen, die schon bald wieder anziehen dürften.

  • Eine Zinserhöhung kann sich auch in einem „variablen Zinssatz“ verstecken, den sich die Bank im Kreditvertrag einräumt.
  • Dasselbe Rating, das einen Betrieb vor kurzem noch als sicheren Kandidaten für ein Investitionsdarlehen betrachtet hat, kann schon morgen zur Verweigerung eines beantragten Kredits führen.

Wie bisher wollen sich die Banken vor der Entscheidung über einen Kreditantrag ein möglichst genaues Bild von der Finanzlage des Betriebs machen. Hier einige der Fragen, mit denen Handwerker häufig in den Beratungsgesprächen mit ihrer Hausbank konfrontiert werden:

 

  • Ist der von der Bank eingeräumte Kontokorrentrahmen bereits ausgeschöpft?
  • Wurden die bisherigen Verpflichtungen gegenüber der Bank stets pünktlich eingehalten?
  • Welches Geschäftsergebnis ergibt sich aus den letzten beiden Jahresabschlüssen?
  • Welche laufenden finanziellen Verpflichtungen bestehen für den Betrieb?
  • Wie steht es um die aktuelle Geschäftslage: Welche Aufträge stehen an, welches Volumen haben diese?
  • Werden im Betrieb regelmäßig Soll-Ist-Vergleiche für die laufende Kalkulation sowie eine Liquiditätsplanung (mit entsprechender Überwachung) durchgeführt?
  • Existiert ein Geschäfts- und Finanzplan für die kommenden drei Jahre?

 

Wichtig ist den Banken auch, ob der Kreditnehmer der Bank ausreichend Einblicke in seine betrieblichen Entscheidungen und wichtige Unternehmensereignisse gewährt. 

Was können Handwerker tun, um ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern?

Ein „wunder Punkt“ beim Bonitätsrating sind stets alle Risiken, mit denen ein Handwerker im laufenden Betrieb rechnen muss. Das gilt vor allem für Haftungsfragen.

Die Banken wissen: Wer als Handwerker einen Auftrag ausführt, ist im Falle später auftretender Mängel unter Umständen gesetzlich zur Haftung verpflichtet. Laut Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) beträgt der Gewährleistungszeitraum >Siehe auch Beitrag< nach der Abnahme vier Jahre, gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) können es sogar fünf Jahre sein.

Die gesetzliche Mängel- und Gewährleistungshaftung kann sich aus Sicht der Bank gleich doppelt auf das Rating auswirken: 

  • Durch den üblichen Sicherheitseinbehalt des Auftraggebers fehlen dem Betrieb Mittel, die er eigentlich dringend für seine Liquidität (und damit zum Beispiel für die Tilgung eines Kredits) benötigt.
  • Im Haftungsfall könnte der Betrieb mit unerwartet hohen Forderungen konfrontiert werden, was die Sicherheit des Kredits ebenfalls gefährden würde.

Aus diesen Gründen steht das Thema „Haftung“ bei vielen Banken besonders stark im Fokus, wenn es um eine Kreditbewilligung geht. Für einen Handwerksbetrieb wiederum, der dringend anstehende Investitionen mithilfe eines Bankdarlehens finanzieren möchte, muss es also darum gehen, bereits im Vorfeld des Kreditantrags möglichst alle relevanten Geschäftsrisiken abzusichern – ohne die eigene Bonität zu schwächen.

Das Problem dabei: Beantragt ein Handwerker bei seiner Bank zunächst eine Bürgschaft, um damit den Sicherheitseinbehalt seines Auftraggebers auszulösen, wird dabei zugleich die Kreditlinie belastet. Ist diese jedoch ausgeschöpft, steht ein – zusätzlicher – Kredit leicht infrage. Es ist daher ratsam, Bürgschaften für die Gewährleistung strikt von der Kreditlinie bei der Hausbank zu trennen.

Empfehlung unserer Redaktion: Die Bankbürgschaft kann bequem durch eine Bürgschaftsversicherung ersetzt werden, wie sie von manchen großen Versicherungsunternehmen angeboten wird. Eine solche Bürgschaftsversicherung (auch Kautionsversicherung genannt) schont nicht nur die Kreditlinie bei der Hausbank, sondern bietet eine Reihe weitere Vorteile:

  • Bürgschaftsversicherungen sind meist kostengünstiger als Bankbürgschaften.
  • Die Kosten der Bürgschaftsversicherung unterliegen keinen variablen Zinssätzen wie beim Kontokorrent, sondern werden nach festen Prämien berechnet. 
  • Bürgschaftsversicherungen können in individuellen Modulen abgeschlossen werden.

Die VHV bietet Kautionsversicherungen für das Handwerk in mehreren solcher Module an: als Ausführungsbürgschaft für die Dauer der Arbeiten, als Mängelansprüchebürgschaft für die Gewährleistungsfrist oder als Vertragserfüllungsbürgschaft für den gesamten Zeitraum von der Beauftragung bis zum letzten Tag der Gewährleistung.  

Fazit: Durch die Absicherung möglicher Haftungsrisiken mittels einer Bürgschaftsversicherung können Handwerker ihr Rating und damit ihre Bonität bei ihrer Hausbank deutlich verbessern. Dem Wunschkredit – zum Beispiel für dringend benötigte Investitionen – steht somit kein unnötiges Risiko mehr im Weg. 

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