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Günstige Alternative zur Bankbürgschaft: Was bringt die Bürgschaftsversicherung?

Team Geld & Liquidität
Team Geld & Liquidität, 22.01.18 10:17

Der neue Auftrag ist unter Dach und Fach, die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Doch der Bauherr besteht gemäß VOB auf einem Sicherheitseinbehalt – oder zumindest einer Bürgschaft, um sich gegen spätere Mängel abzusichern. Welche Vorteile bietet in diesem Fall eine Bürgschaftsversicherung?

Bürgschaftsversicherung: Günstige Alternative zur Bankbürgschaft

                            • Die Leistungen einer Bürgschaftsversicherung sind auf Handwerker zugeschnitten, sie greifen im Gewährleistungsfall.
                            • Die Bürgschaftsversicherung (auch Kautionsversicherung genannt) spart Kosten und sichert die volle Liquidität von Handwerksbetrieben ab.
                            • Bankbürgschaften sind dagegen oft teurer, belasten den Kreditrahmen und stellen hohe Ansprüche an die Bonität.
                            • Der Antrag für eine Bürgschaftsversicherung ist einfach, der Auftrag ruckzuck abgesichert, der Sicherheitseinbehalt entfällt.

Ein typisches Szenario bei Bauaufträgen: Die Sache mit dem Riss in den Ziegeln

Das Dach eines Einfamilienhauses soll neu gedeckt werden. Der beauftragte Dachdecker kauft in Absprache mit dem Bauherrn Ziegel und deckt das Dach damit neu ein. Drei Jahre später weisen einige der Ziegel plötzlich Risse auf. Um sich gegen Mängel solcher Art innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist abzusichern, hat der Bauherr bereits bei der Handwerkerrechnung fünf Prozent als Sicherheit einbehalten. Das Geld wurde seither – für den Fall der Fälle – auf einem Treuhandkonto geparkt.

Nun bedient sich der Bauherr zur Begleichung der Kosten für die Mängelbeseitigung aus eben dieser Sicherheitsleistung. Damit ist der Sicherheitseinbehalt, der eigentlich dem ursprünglich beauftragten Dachdecker noch aus seiner ersten Rechnung zusteht, futsch.

So oder ähnlich kann es jederzeit auch Handwerkern aus anderen Gewerken ergehen. Zwar fließt der Sicherheitseinbehalt ohne Mängelanzeige gewöhnlich nach Ablauf der Gewährleistungsfrist (plus Zinsen) wieder zurück an den Handwerker. Doch das kann bis zu fünf Jahre dauern – und in vielen Fällen fehlt das Geld bis dahin bei der Deckung der laufenden Betriebs- und Personalkosten oder bei dringend benötigten Investitionen. Bei mehreren Aufträgen oder gut dotierten Projekten können auf diese Weise auch in kleineren Handwerksbetrieben im Jahresverlauf leicht fünfstellige Summen zusammenkommen, die lange Zeit in Sicherheitsleistungen gebunden sind.

Wann ersetzt eine Bürgschaft den Sicherheitseinbehalt?

Eine Alternative zum Sicherheitseinbehalt bietet die Bürgschaft durch einen Dritten. Als Bürgen kommen vor allem Banken oder Versicherungen in Frage, da diese für den Bauherrn in der Regel ausreichend vertrauenswürdig sind. Kann der Handwerker seinem Auftraggeber eine solche Bürgschaft für den Haftungsfall vorlegen, entfällt der Sicherheitseinbehalt.

Die Handwerkerrechnung wird schließlich nach Ausführung der Arbeiten in voller Höhe vom Bauherrn beglichen und die Liquidität des Handwerksbetriebs bleibt uneingeschränkt. Damit könnte zum Beispiel auch ein möglicher Forderungsausfall aus einem anderen Auftrag leichter abgefedert werden.

Warum fordert der Bauherr überhaupt Sicherheiten?

Viele Auftraggeber von Bauleistungen sind verunsichert: Was, wenn nach Abnahme und Rechnungslegung Mängel auftreten oder der beauftragte Handwerksbetrieb gar bis dahin insolvent ist? Ängste dieser Art rühren zwar noch aus Zeiten der Finanzkrise. Dennoch sind Bauherren – trotz derzeit guter Baukonjunktur – nach wie vor auf größtmögliche Sicherheit bei ihren Projekten bedacht. Dazu zählt vor allem der Sicherheitseinbehalt oder – alternativ dazu – eine entsprechende Bürgschaft – entweder in Form eines Bankavals (Wechsels) oder als Bürgschaftsversicherung.

Übrigens: Wird ein Werkvertrag für ein Bauprojekt auf Basis der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) geschlossen, gelten für den Sicherheitseinbehalt bestimmte Regeln (erfahren Sie in Kürze mehr über den richtigen Umgang mit dem Sicherheitseinbehalt selbst hier im BAUBÜRO Magazin).

Wie gehen Banken mit Bürgschaften im Bauhandwerk um?

Wenn es um Bürgschaften geht, führt für die meisten Handwerker der erste Weg zur Hausbank. Doch der ist oft beschwerlich: Bietet der vereinbarte Kreditrahmen genug Spielraum für eine Bürgschaft? Schließlich rechnet die Bank auch einen – lediglich fiktiv belasteten – Aval auf die eingeräumte Kreditlinie an. Wie steht es sonst mit der Bonität des Antragstellers? Können immer alle Verpflichtungen eingehalten werden? Zahlen die Auftraggeber stets pünktlich? Oder klemmt es an der einen oder anderen Stelle? 

Fakt ist: Viele Banken zeigen sich zunehmend zurückhaltend, wenn es um die Vergabe von Bankbürgschaften geht. Der Grund: Die Kriterien für die Gewährung einer Bankbürgschaft oder Kaution orientieren sich an der herkömmlichen Darlehensvergabe. Doch seit der letzten sogenannten „Basel“-Konferenz der europäischen Bankenaufsicht („Basel IV“) werden Bankkredite künftig nur noch nach Gesichtspunkten vergeben, die bislang für „riskante Darlehen“ galten (erfahren Sie in Kürze mehr über die Folgen von „Basel IV“ für Handwerksbetriebe hier im BAUBÜRO Magazin).

Damit sind auch die Anforderungen an die Bonität von Handwerkern gestiegen, die lediglich eine Bürgschaft für den – eher seltenen – Fall der späteren Mängelhaftung im Rahmen eines Bauauftrags benötigen. Hinzu kommen die Kosten: Banken räumen sich gern variable Zinssätze für die Beanspruchung der Kreditlinie ein. Über einen längeren Zeitraum können daher durch eine Bankbürgschaft erhebliche Kosten entstehen.

Welche Vorteile bietet die Bürgschaftsversicherung?

Wenn es darum geht, einen anstehenden Auftrag ohne unnötige Verzögerung abzusichern und dabei zugleich Kosten zu sparen, führt kein Weg an einer Bürgschaftsversicherung vorbei. Diesen Ersatz für den Sicherheitseinbehalt bieten Versicherungen wie zum Beispiel die VHV an, die auf die Anforderungen im Handwerk spezialisiert ist. 

Gut zu wissen: Die Bürgschaftsversicherung wird manchmal auch Kautionsversicherung genannt. Die beiden Begriffe fallen oft auch im Zusammenhang mit einzelnen Bürgschaftstypen wie etwa der „Anzahlungsbürgschaft“, der „Vorauszahlungsbürgschaft“, der „Erfüllungsbürgschaft“ oder der „Fertigstellungsbürgschaft“. 

Doch worum geht es dabei genau?

 Muster für den Ablauf einer Bürgschaftsversicherung:

 

1. Wie eingangs in unserem Beispiel beschrieben, will der Bauherr fünf Prozent des vereinbarten Preises als Sicherheit von der Rechnung unseres Dachdeckers einbehalten.

2. Der Dachdecker beantragt eine Bürgschaftsversicherung. Dafür muss er etwa bei der VHV nur wenige Nachweise für seine Bonität erbringen. Bei kleineren Versicherungssummen (unter 50.000 Euro) verlangt die Versicherung ihrerseits nur in Ausnahmefällen Sicherheiten vom Handwerker.

3. Der Dachdecker vereinbart die Bürgschaftsversicherung zu einer festen Prämie. Diese beträgt zum Beispiel bei der VHV zwischen 0,6 und 2,5 Prozent der Versicherungssumme. Neben Kostensicherheit kann unser Dachdecker sich gegenüber einer Bankbürgschaft also auf eine kräftige Ersparnis freuen – je nach Bürgschaftsvolumen können das mehrere Tausend Euro sein.

4. Der Bauherr akzeptiert die Bürgschaftsversicherung als Ersatz für den ursprünglich geforderten Sicherheitseinbehalt. Auch die Einrichtung eines Treuhandkontos entfällt. Beide Vertragspartner – Handwerker und Bauherr – sind somit im Mängelfall abgesichert, ohne dass die Liquidität leidet.

 

 

 Welche Arten von Bürgschaftsversicherungen gibt es?

 Als Spezialist für Bürgschafts- und Kautionsversicherungen bietet die VHV ihre Versicherungsleistungen in diesem Segment in Modulen an, die je nach Projekt individuell vereinbart werden können:

  • Die Ausführungsbürgschaft sichert den Zeitraum vom Vertragsabschluss mit dem Bauherrn bis zur Abnahme ab. Treten in dieser Zeit Mängel auf, tritt die Bürgschaft in Kraft. 
  • Die Mängelansprüchebürgschaft gilt für die gesetzliche Gewährleistungsfrist, die nach der VOB vier und nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) sogar fünf Jahr betragen kann.
  • Die Vertragserfüllungsbürgschaft ist schließlich eine Rundum-Absicherung, die sowohl die Ausführung als auch die Gewährleistungsfrist umfasst.
  • Daneben sind weitere sinnvolle Module wählbar, etwa eine Vorauszahlungsbürgschaft, die den Handwerksbetrieb bei der Anschaffung von teurem Baumaterial unterstützt – oder auch ein Forderungsausfallschutz, der im Fall säumiger Auftraggeber einspringt und in vielen Fällen sogar hilft, eine dadurch drohende Insolvenz abzuwenden.

Die Wahl der individuell passenden Bürgschaftsversicherung trägt zusätzlich zur Kostenersparnis bei.

 Die VHV hat weitere Informationen rund um die Bürgschafts- und Kautionsversicherung für Handwerker auf ihrem Bürgschaftsportal zusammengefasst.

 

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