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Zukunft des Bauens: Die wichtigsten Trends für 2018

Team Kunde & Erfolg
Team Kunde & Erfolg, 20.12.17 10:30

Das Baugewerbe ist im Umbruch: Volle Auftragsbücher, aber zu wenig Fachkräfte. Dazu digitale Herausforderungen, innovative Bautechnik, neues Bauvertragsrecht. Worauf müssen sich Handwerksbetriebe in Zukunft einstellen? Das BAUBÜRO nennt die entscheidenden Trends.

Bautrends 2018

                        • Baurechtsreform birgt Sorge um Prozesslawine.
                        • Altersgerechtes Bauen wird 2018 immer wichtiger..
                        • Wohnungsbau: Junge Menschen flüchten in die Städte.
                        • Durchbruch bei Smart-Home-Lösungen erwartet.

Megatrend Digitalisierung: Ohne Klicks geht nichts mehr fix

Alle Experten sind sich einig: Die zunehmende Digitalisierung in der Baubranche ist nicht mehr aufzuhalten und erfasst immer mehr Bereiche von der Planung bis zur Abnahme und Rechnungslegung. Handwerker, die sich frühzeitig auf die neuen Herausforderungen einstellen, können ihre Chancen am Markt deutlich steigern. Wer diesen wichtigen Megatrend allerdings verschläft, könnte in Zukunft in der Rolle des ausführenden Monteurs steckenbleiben – ohne viel Einfluss auf Ablauf und Preisgestaltung seiner Aufträge und Projekte.

Diese Bereiche sind von der Digitalisierung besonders betroffen:

                        • Der Informationsfluss zwischen Bauträger, Bauleitung und Gewerken. Wer auf der Baustelle keine Daten senden oder empfangen kann, bleibt automatisch außen vor oder ist auf meist unzureichende Mund-zu-Mund-Informationen angewiesen.
                        • Die Erhebung aller relevanten Daten eines Projekts, die für dessen Durchführung wichtig sind – vom Aufmaß bis zur Bedarfsermittlung von Personal, Maschinen und Baumaterial.
                        • Prozessoptimierung durch (mobile) Datenerfassung und Verarbeitung – von der Auftragsbestätigung bis zur Rechnungslegung.
                        • Erfassen von Arbeits- und Ausfallzeiten der eingesetzten Mitarbeiter.
                        • Ein schnelles Orten von Einsatzbereichen, Baumaterial und Geräten auf großen Baustellen mittels GPS-Systemen.
                        • Besonders wichtig für Bauherren, Architekten und Planer: das Building Information Modeling (BMI). Das BMI ermöglicht die visuelle Begehbarkeit eines Bauprojekts zu jedem Zeitpunkt von der frühen Planung über die Ausführung der einzelnen Bauabschnitte bis zur Endabnahme.
                        • Rasante Beschleunigung bei der Vor-Ort-Produktion von Bauteilen: Mithilfe von 3D-Betondruckern ist es zum Beispiel schon heute möglich, die Rohbaukomponenten kompletter Einfamilienhäuser auszudrucken. Aber auch Ersatzteile für das SHK-Gewerbe können künftig bequem an Ort und Stelle im 3D-Drucker hergestellt werden.

Jeder Handwerker sollte sich daher die Frage stellen: Welche Chancen eröffnet dieses breite Spektrum der Digitalisierung für mich und meinen Betrieb? Wie wichtig diese Frage für alle Gewerke ist, zeigen Entwicklungen, die kürzlich von der Hochschule Darmstadt ermittelt wurden: Demnach werden bereits heute nahezu 90 Prozent aller öffentlichen Aufträge elektronisch ausgeschrieben. Ein anderes Beispiel: Bauhandwerker nutzen derzeit nur 30 Prozent ihrer Arbeitszeit für die konkrete Ausführung ihres Projekts. 70 Prozent der Zeit nehmen Tätigkeiten wie Transporte, Suche nach Baumaterial, Beschaffung von Maschinen oder Verwaltung in Anspruch. All diese Zeitfresser könnten künftig durch die gezielte Nutzung von digitaler Datenverarbeitung und Kommunikation beschleunigt werden. Last but not least spielt die digitale Erreichbarkeit und Präsenz im Internet eine immer größere Rolle.

Konjunktur 2018: Es könnte noch viel besser laufen, wenn …

… die Baugenehmigungen für viele Projekte nicht so lange auf sich warten ließen und der Fachkräftemangel im Baugewerbe die Ausführung nicht immer wieder blockieren würde. Denn abgesehen davon sind die Konjunkturprognosen auch für 2018 in der Bauwirtschaft glänzend:

                        • Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) rechnet für das Jahr 2018 mit einem Umsatzwachstum von durchschnittlich 2,6 Prozent.
                        • Im Bauhauptgewerbe soll sogar ein Plus von 3,0 Prozent erreicht werden. 
                        • Das Ausbaugewerbe muss sich allerdings mit 2,0 Prozent Wachstum zufriedengeben. Schwerpunkte bleiben in dieser Sparte auch 2018 Renovierungen und Sanierungen. 

Zu den Gewinnern im Handwerk gehören vor allem Maler und Lackierer, Sanitär-, Heizung- und Klimaspezialisten, Elektriker und Fliesenleger. Diese Sparten können auch 2018 mit einer weiterhin steigenden Nachfrage über das Internet rechnen, so die Analyse eines großen Handwerker-Portals.

Deutlich im Aufwind: Altersgerechtes Bauen und Sanieren

Der Anteil der älteren Menschen in der Bevölkerung wächst rasant. Nach Schätzung des Statistischen Bundesamts werden im Jahr 2030 rund 22 Millionen Menschen in Deutschland älter als 65 Jahre sein – das sind rund sieben Millionen mehr als heute. Im Jahr 2060 wird mehr als ein Drittel der Bevölkerung das Rentenalter erreicht haben.

Durch den demografischen Wandel steigt auch der Bedarf an barrierefreien Neubau- und Sanierungsprojekten. Gefragt sind Wohnflächen ohne Hindernisse, Treppenlifte und sanitäre Anlagen, die älteren und gebrechlichen Menschen den Alltag erleichtern. Handwerker, die sich auf die altersgerechte Sanierung von Ein- und Mehrfamilienhäusern spezialisieren, haben gute Chancen auf volle Auftragsbücher und hohe Umsätze.


Energetisches Bauen spielt künftig eine große Rolle

Trotz wirtschaftlicher Einbrüche beim nachhaltigen Bauen gilt: Energie ist auch 2018 das zentrale Thema auf allen wichtigen Baumessen. Wesentlichen Anteil daran haben gesetzliche Vorgaben wie etwa der Energiepass für Gebäude, aber auch die unaufhaltsame Weiterentwicklung neuer Technologien. Hier die wichtigsten Trendsetter für ein umweltgerechtes und energiesparendes Bauen:

                        • Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung, die nicht nur Heizenergie sondern auch Strom liefern.
                        • Unterirdische Eistanks, die über eine Wärmepumpe natürliche Energiequellen wie Sonne, Luft, Erdwärme und Wasser zum Heizen und Kühlen von Gebäuden nutzen.
                        • Auch die Technik für das Heizen mit regenerativem Brennstoff wie Pellets wird ständig verbessert, gleiches gilt für die automatische Wohnraumbelüftung.
                        • Herkömmliche Wärmeverbundsysteme mit ölhaltigem Styroporanteil geraten dagegen immer stärker in die Kritik –und das nicht erst seit dem verheerenden Fassadenbrand in einem Londoner Wohnhaus im Juni 2017, bei dem 80 Menschen starben. Experten wie der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler warnen vor Umweltgiften in gebräuchlichen Dämmstoffen, die ins Grundwasser gelangen können.
                        • Die Nachfrage bei umweltfreundlichen Baustoffen und natürlichen Energielösungen steigt stetig. Beispiel: Schon wenige Zentimeter dickere Außenwände halten Häuser im Winter warm, im Sommer angenehm kühl. Bauplaner und Architekten der Zukunft lernen von Höhlenbewohnern, Eskimos und Wüstenvölkern. 

Intelligente Gebäudetechnik: Doch eher ein Nischenprodukt?

Auf diesen Trend setzt die Industrie: intelligente Gebäudesysteme. Doch wer braucht eigentlich Aktivboxen, die uns nach Feierabend mit unserem Lieblingsstück begrüßen, Mikrowellen-Herde, die bereits beim Betreten der Haustür anspringen oder Leuchten, deren Licht den Schritten des Bewohners folgt? Manches von dem, was Gebäudetechnik heute ausmacht, erscheint zwar durchaus sinnvoll. Das gilt etwa für die automatische Beschattung der Fensterflächen, die sich nach dem Sonnenstand richtet. Oder eine energiesparende Heizung und Wohnraumbelüftung – je nach Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit. Doch vieles von dem, was die Elektroindustrie als Non-Plus-Ultra für Häuser anpreist, ist auch Schnickschnack.  

Fakt ist: Die Nachfrage nach ausgeklügelter Smart-Home-Technik steigt nicht so rasant wie vermutet. Die Industrie hofft daher 2018 auf den ganz großen Durchbruch. 

Neues Bauvertragsrecht 2018: So gehen Sie bei der Gewährleistung auf Nummer sicher

Die lange überfällige Reform des Baurechts wird 2018 endlich wirksam. Für Handwerker sind dabei vor allem Änderungen bei der Mängelhaftung von Bedeutung: Bisher blieben die Handwerksbetriebe meist auf den Kosten sitzen, wenn innerhalb der bis zu fünfjährigen Gewährleistungsfrist Mängel am verbauten Material auftraten. Ab sofort sind auch die Hersteller und Lieferanten stärker in der Pflicht: Ist ein Schaden auf Materialmängel zurückzuführen, müssen sie nicht nur die Materialkosten ersetzen, sondern auch den Aufwand bei dessen Ausbau und (erneuten) Einbau. Doch in ihren AGB dürfen Lieferanten diese weitergehende Haftung auch künftig ausschließen. Dadurch sind gerichtliche Streitfälle vorprogrammiert … 

Tipp von der BAUBÜRO Redaktion

Wer klug ist und künftig nicht mehr Zeit bei seinem Anwalt als auf der Baustelle verbringen möchte, baut vor: Gewährleistungs- und Mängelbürgschaften sichern Handwerkern die ausreichende Liquidität, um nicht nach der Mängelanzeige ihres Kunden in einen Engpass zu geraten. Als besonders preisgünstig und umfassend hat sich dabei die sogenannte Kautionsversicherung erwiesen, in deren Rahmen nahezu alle denkbaren Haftungsfälle für Handwerker individuell abgesichert werden können.

 

Landflucht vs. Stadtflucht: Wohin zieht es die Menschen?

„Deutschland droht die demografische Spaltung“, warnt der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in einer aktuellen Studie. Während  der Zustrom in den Metropolen trotz hoher Miet- und Immobilienpreise unvermindert anhalte, stünden in den ländlichen Regionen Deutschlands zwei Millionen Wohnungen leer. Besonders Jüngere zieht es vom Land in die Stadt. In vielen Dörfern Ostdeutschlands beträgt die Abwanderung mehr als 20 Prozent, Tendenz weiter steigend. Auch eine Umfrage der Immobilienfirma BNP bestätigt den Trend: Mehr als die Hälfte des gesamten Investmentumsatzes in Deutschland entfällt auf nur sechs Großstädte: Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und München. 2018 wird es in den Ballungsräumen wohl noch enger, ländliche Regionen leiden dagegen zunehmend an Überalterung und mangelnder Infrastruktur. Eine neue Herausforderung für Handwerker, die mit ihrem Know-how für den Erhalt ihres Dorfes oder ihre Kleinstadt kämpfen wollen?

Flüstertrend: Mehr Erfolg im Netzwerk mit anderen Gewerken

„Einsamer Wolf sucht Anschluss“, so oder ähnlich könnte das Motto lauten, mit dem viele Handwerker ins kommende Jahr starten. Denn längst hat sich das neue „Geheimrezept“ für mehr Umsatz und Erfolg herumgesprochen: das Handwerker-Netzwerk. Dabei handelt es sich um einen lockeren Verbund verschiedener Gewerke, die sich vorgenommen haben, künftig Freud und Leid miteinander zu teilen.

Zu den größten Vorteilen eines solchen Netzwerks gehört die Senkung laufender Betriebskosten. Bei diesen Posten können Netzwerker erheblich sparen: gemeinsame Kundengewinnung, Planung, Organisation, Buchhaltung, Miete für Lagerflächen und Werkstatt, Maschinen sowie Transportkosten.

Einige Handwerker-Netzwerke suchen zudem den regelmäßigen Austausch mit Architekten, Designern und Ingenieuren – daraus entwickeln sich rasch „schlagkräftige“ Projektteams, die auch anspruchsvolle Aufträge viel leichter bewältigen können als es ein Einzelkämpfer vermag. Wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Netzwerk ist ein reibungsloser Informationsfluss – und Freude am Teamwork.

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Auch im neuen Jahr hält Sie das BAUBÜRO über die wichtigsten Trends, Stolpersteine und neue Chancen im Baugewerbe auf dem Laufenden. 

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